MPU Ratgeber

MPU wegen Fahren ohne Fahrerlaubnis: Wann § 21 StVG zur MPU führt

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Wenn von der MPU die Rede ist, denken die meisten zuerst an Alkohol, Drogen oder zu viele Punkte in Flensburg. Weniger bekannt, aber in der Praxis genauso relevant: Auch Fahren ohne Fahrerlaubnis nach § 21 Straßenverkehrsgesetz (StVG) kann dazu führen, dass die Führerscheinstelle eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung anordnet – vor allem, wenn es nicht beim ersten Mal bleibt. Dieser Beitrag erklärt, wann das passiert, wie das Verfahren abläuft und was Sie jetzt tun können.

Was bedeutet „Fahren ohne Fahrerlaubnis" rechtlich?

§ 21 StVG stellt klar, dass das Führen eines Kraftfahrzeugs ohne die erforderliche Fahrerlaubnis keine bloße Ordnungswidrigkeit, sondern eine Straftat ist. Das Gesetz sieht dafür Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe vor. Erfasst sind zwei Hauptfälle: wer selbst ohne Fahrerlaubnis fährt (§ 21 Abs. 1 Nr. 1 StVG), und wer als Halter oder Aufsichtspflichtiger einem anderen das Fahren ohne Fahrerlaubnis ermöglicht oder anordnet (§ 21 Abs. 1 Nr. 2 StVG). Praktisch betrifft der häufigste Fall Personen, deren Fahrerlaubnis bereits entzogen wurde oder die noch nie eine besaßen und trotzdem am Steuer erwischt werden.

Wichtig zu wissen: Es spielt keine Rolle, ob der Führerschein wegen einer vorherigen MPU, wegen eines Fahrverbots oder aus anderen Gründen weg war. Sobald jemand ohne gültige Fahrerlaubnis fährt, greift § 21 StVG – unabhängig davon, warum die Erlaubnis fehlt.

Wann führt das zu einer MPU?

Eine Verurteilung wegen § 21 StVG allein löst nicht automatisch eine MPU aus. Entscheidend ist, wie die Führerscheinstelle den Vorfall im Rahmen der Eignungsprüfung nach § 11 Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV) bewertet. Nach § 11 Abs. 3 Satz 1 FeV kann die Behörde eine MPU anordnen, wenn erhebliche oder wiederholte Verstöße gegen verkehrsrechtliche Vorschriften oder Strafgesetze Zweifel an der Fahreignung begründen. Genau in diese Kategorie fällt wiederholtes Fahren ohne Fahrerlaubnis regelmäßig.

In der Praxis unterscheiden Führerscheinstellen deutlich zwischen zwei Konstellationen:

Einmaliger Verstoß oder Wiederholung? Einmaliger Verstoß Keine automatische MPU Die Behörde prüft den Einzelfall genau. Meist nur Strafverfahren Geldstrafe oder Bewährung sind die Regel. Sperrfrist meist unverändert Keine automatische Verlängerung. Wiederholung / während Sperrfrist MPU bei Wiedererteilung wahrscheinlich Eignungszweifel nach § 11 Abs. 3 FeV. Höheres Strafmaß möglich Freiheitsstrafe wird wahrscheinlicher. Sperrfrist wird spürbar verlängert Nach § 69a StGB, teils isolierte Sperre. Quelle: § 21 StVG, § 11 Abs. 3 FeV, § 69a StGB. Einzelfallabhängig, keine Rechtsberatung. Stand: 08/2026.

Wie läuft das Verfahren konkret ab?

Zwei Verfahren laufen bei einem Verstoß gegen § 21 StVG parallel und unabhängig voneinander:

Die MPU-Anordnung selbst muss die konkrete Fragestellung benennen, zu der sich Gutachterin oder Gutachter äußern sollen – meist geht es darum, ob zu erwarten ist, dass die betroffene Person auch künftig ein Kraftfahrzeug führt, ohne im Besitz der erforderlichen Fahrerlaubnis zu sein, beziehungsweise ob erneut erhebliche oder wiederholte Verstöße gegen verkehrsrechtliche Vorschriften zu erwarten sind.

Was die Begutachtung inhaltlich prüft

Anders als bei einer MPU wegen Alkohol oder Drogen steht hier nicht in erster Linie ein Substanzkonsum im Mittelpunkt, sondern die grundsätzliche Regelakzeptanz und Impulskontrolle der betroffenen Person. Typische Themen im psychologischen Gespräch sind:

Was Sie jetzt tun können

Eine MPU-Anordnung wegen § 21 StVG ist unangenehm, aber kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Sinnvoll sind folgende Schritte:

Fazit

Ein Verstoß gegen § 21 StVG wiegt rechtlich schwerer, als viele zunächst annehmen – vor allem, wenn er sich wiederholt oder während einer laufenden Sperrfrist ereignet. Die gute Nachricht: Eine MPU in diesem Zusammenhang ist kein Automatismus bei jedem Verstoß, sondern das Ergebnis einer Einzelfallprüfung nach § 11 FeV. Wer die eigene Situation ehrlich reflektiert und sich strukturiert vorbereitet, hat gute Chancen, die Untersuchung erfolgreich zu bestehen und die Fahrerlaubnis dauerhaft zurückzuerhalten.

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Waldemar Kabakov
Waldemar Kabakov
Zertifizierter Krafteignungsberater & Psychologischer Berater
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